Neues Deutschland 14./15.07.2001

/// Neues Deutschland /// 14./15. Juli 2001
Von Andreas Fritsche

Kul­tur­kneipe am Caligariplatz

Brotfabrik wünscht Erinnerung an Filmstadt Weißensee im Stadtplan

Wer auf der Prenz­lauer Pro­me­nade nörd­lich fährt, sucht gewöhn­lich den Weg zum Auto­bahn­drei­eck Pan­kow und nicht zu einem Kul­tur­zen­trum. Die letz­ten Sze­ne­knei­pen befin­den sich in der Duncker­straße. Wer bis zur Wei­ßen­seer Brot­fa­brik wei­ter­geht, muss sich zuvor vom Kli­schee ver­ab­schie­den, für Szene sei im Groß­be­zirk Pan­kow aus­schließ­lich Prenz­lauer Berg zustän­dig. Dass müsste doch in die Köpfe von mehr Ber­li­nern zu bekom­men sein, dachte sich offen­bar «Glas­haus e.V.«, der Trä­ger­ver­ein der Brot­fa­brik. Er bean­tragte beim Bezirk, den bis­her namen­lo­sen Platz vor der Ein­rich­tung Cali­ga­ri­platz zu taufen.

Damit soll an die eins­tige Film­stadt in der nahen Lie­ber­mann­straße erin­nert wer­den. Dort wurde 1920 der expres­sio­nis­ti­sche Stummfilm-Kiassiker «Das Kabi­nett des Dr. Cali­gari« gedreht. Das Tief­bau­amt Pan­kow hat schon erklärt, keine Ein­wände gegen die Namens­ge­bung zu haben. Wenn auch die Ämter der ande­ren Bezirke zustim­men, könnte das Bezirks­par­la­ment beschlie­ßen. Eigent­lich hoffte Ver­eins­vor­stand Jörg Füg­mann, dass das noch 2001 geschieht. Doch durch die anste­hen­den Neu­wah­len ist eine Ver­zö­ge­rung zu erwar­ten. Füg­mann kom­men­tiert mit Iro­nie. "Danke, Herr Landowsky!"

Zu einem Gut­teil sind die aber Pläne auch ein Wer­be­gag. Genauso wie die Behaup­tung von Spre­cher Mar­tin Stahlke, die Brot­fa­brik befinde sich nun im Zen­trum von Pan­kow, Prenz­lauer Berg und Wei­ßen­see, wäh­rend es frü­her am Rande der drei Bezirke gele­gen habe. Das mag bis­lang allen­falls geo­gra­phisch stim­men. Doch Bes­se­rung ist in Sicht. Nach­dem die Päch­ter der Kneipe im Unter­ge­schoss ins Vogt­land ver­zo­gen, um dort eine Pen­sion zu füh­ren, über­nimmt jetzt Glas­haus den Betrieb. Zwar trug das alte Lokal den hüb­schen Namen «Gei­er­wal­lys Stief­toch­ter im Aus­land«. Doch war es zuletzt weder für Schön­heit noch für Freund­lich­keit berühmt. In den letz­ten Mona­ten inves­tierte Glas­haus 120000 Mark in die neue «Brot­fa­brik­Kneipe«. Der lie­be­volle Umbau erfolgte nach Plä­nen der Desi­gner Sara Patri­arca und Micha Koch. Heute ab 15 Uhr wird Eröff­nung gefei­ert. Hier sol­len die Gäste von Ver­an­stal­tun­gen noch ver­wei­len und dabei Geld in die Kas­sen des Kul­tur­zen­trums spülen.

Scroll to Top